Viele Menschen kontrollieren lieber zwei Mal, ob sie die Tür verschlossen haben oder zählen die Stufen beim Treppensteigen. Bei Zwangserkrankungen führen solche Gewohnheiten und Rituale jedoch zu einer enormen Lebensbelastung. Hierbei leidet der Betroffene unter aufdringlichen Gedanken oder dem Drang bestimmte Handlungen auszuführen. Sie selber empfinden diese Gedanken oder Handlungen als überflüssig und unsinnig, können sich dem allerdings nicht entziehen.
Bei Zwangserkrankungen wird unterschieden, ob Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen im Vordergrund stehen:

Zwangsgedanken werden als bedrohlich, moralisch verwerflich oder quälend erlebt. Sie gehen immer mit Angst und Anspannung einher. Zwangsgedanken handeln häufig von Aggressionen, Verunreinigungen, Symmetrie, religiösen oder sexuellen Themen. So kann ein Betroffener z.B. die Befürchtung hegen, sein eigenes Kind zu verletzen. Eine andere Form von Zwangsgedanken ist der Grübelzwang. Hierbei kann der Betroffene häufig keine Entscheidung mehr treffen, weil endlos über die Konsequenzen von verschiedenen Alternativen nachgedacht wird. Um die Zwangsgedanken zu neutralisieren, führen viele Betroffene Rituale in Gedanken (z.B. innerlich bestimmte Worte wiederholen) oder als Handlung aus.

Zwangshandlungen sind Verhaltensweisen, die immer wieder in einer ritualisierten Form ausgeführt werden müssen. Oft werden sie durchgeführt, um ein Unglück zu verhindern. So wird z.B. beim Kontrollzwang der Heimweg mehrmals abgefahren, um zu überprüfen, dass man keinen Unfall gebaut hat. Am bekanntestes ist der Wasch- und Reinigungszwang. Hierbei werden die Hände, die Wohnung oder die Wäsche mehrmals am Tag in einem klar definierten Ablauf gesäubert. Zu den Zwangshandlungen zählen auch das stereotype Zählen (z.B. von Fenstern) oder das Ordnen von Gegenständen in einer perfekten Symmetrie.

Zwangserkrankungen beginnen meistens in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen. Unbehandelt nimmt die Erkrankung oft einen chronischen Verlauf. Insgesamt sind ungefähr 1,5% der Bevölkerung von einer Zwangsstörung betroffen.

Therapiemöglichkeiten
Bei Zwangserkrankungen ist die Reizkonfrontation mit Reaktionsverhinderung die Methode der Wahl, um die Symptomatik zu reduzieren. Hierbei lernt der Betroffene, dass das Unterlassen der Rituale nicht zur befürchteten Katastrophe führt. Zusätzlich werden mithilfe der kognitiven Therapie Maßstäbe von Bewertungen, z.B. beim Thema Schuld, überprüft.